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 Ehemals war diese Seite "Sulcorebutia des Monats" betitelt. Leider ist es mir nie gelungen, dem Titel auch nur annähernd gerecht zu werden. Da aber mancher Besucher dieser Seiten möglicherweise Interesse daran hat, was dort einmal veröffentlicht worden ist, fasse ich alle Beiträge dieser Seite zusammen  und biete diese Datei zum Download an.


Sulcorebutia des Monats







In Zukunft möchte ich diese Seite verwenden, um neue und mehr oder weniger unbekannte Sulcorebutien und Weingartien vorzustellen.

Der Neuaufbau wird natürlich etwas Zeit beanspruchen. Zu Beginn möchte ich eine Weingartia (oder ist es doch evtl. eine Sulcorebutia) abbilden und kurz beschreiben, die wir schon im Artikel zur Erstbeschreibung von Sulcorebutia trojapampensis in KuaS 5/2012 erwähnt haben - HJ1195. Leider wurde ein Großteil unserer Gedanken zu diesem Fund und seine Verbindungen zur beschriebenen Art von der KuaS-Redaktion als "unwissenschaftliche Spekulation" abgetan und gestrichen. Weil wir aber der Meinung sind, dass diese Gedanken zumindest eine Diskussion wert sind, wollen wir sie hier nachtragen.

Weingartia oder doch vielleicht Sulcorebutia?  

Südlich der Ansiedlung Icla fließt der Rio Pilcomayo ziemlich genau von Norden nach Süden. Bis Hansjörg Jucker beide Seiten des Flusses in dieser Gegend durchwandert hatte, war diese Gegend völlig unbekannt. Insbesondere das östliche Ufer ist inzwischen sehr gut erforscht und aus dem Cordillera Mandinga genannten Bergzug sind mehrere Sulcorebutien neu beschrieben worden (S. cantargalloensis, juckeri, azurduyensis v. sormae). All diese Neufunde sind Entdeckungen des Schweizer Bergwanderers. Inzwischen ist die Cord. Mandinga eines der am meist frequentierten Ziele von Sulcorebutiafreunden. 

 Im Gegensatz zur „Mandinga“ die von Icla aus leicht zu erreichen ist, bleibt das Westufer des Rio Pilcomayo weitgehend dem Wanderer vorbehalten. Diesen Umstand machte sich Jucker in den letzten Jahren zunutze und durchstreifte die dortigen Berge auf allen möglichen Wegen und fand eine Vielzahl neuer Pflanzen, von denen Sulcorebutia trojapampensis Gertel & Jucker im Mai 2012 (KuaS 5/2012) beschrieben worden ist. 

In diesem Artikel wurde auch eine Weingartia spec. HJ1195 erwähnt und abgebildet, auf deren Umfeld ich hier näher eingehen möchte.  

Nachdem Hansjörg Jucker 2006 erstmals diese Berge besucht hatte und neben den nun „Sulcorebutia trojapampensis“ benannten Pflanzen auch viele andere Populationen gefunden hatte, begann das große Rätselraten, wo man diese völlig neuen Kakteen einstufen sollte. Hierzu muss gleich zu Beginn gesagt werden, dass sowohl Jucker als auch ich der Meinung sind, dass es sehr wohl einen Unterschied zwischen Sulcorebutia und Weingartia gibt und dass wir beide Sulcorebutia als eine der Untergattungen von Weingartia ansehen. Diese Meinung wird zwar nicht unbedingt durch molekularbiologische Ergebnisse gedeckt, allerdings gibt es genügend morphologische Merkmale, um diese Ansicht vertreten zu können. Wie nicht anders zu erwarten gibt es einige Stellen, wo sich die Grenzen zwischen den beiden Untergattungen verwischen und man nicht sofort sagen kann, ob man Sulcorebutien oder Weingartien vor sich hat. Eines dieser Gebiete liegt in der Umgebung von Torotoro, südlich des Rio Caine und das andere an den Ufern des Rio Pilcomayo, südlich von Icla. Von Letzterem soll hier die Rede sein.  




















Sulcorebutia juckeri HJ410 (Typpopulation)

Schon nach der Beschreibung von S. juckeri gab es Stimmen, dass diese Sulcorebutien sehr viele Ähnlichkeiten mit Weingartia aufweisen würden. Auch bei den DNA–Analysen tauchte diese Art in der Nähe von Weingartia westii auf. Trotzdem weisen fast alle morphologischen Merkmale in Richtung Sulcorebutia. Als nun Bilder und später auch Pflanzen von S. trojapampensis (HJ1190, HJ1190a und HJ1191) und mehrerer weiterer Populationen vorlagen, bekam diese Diskussion neuen Schwung. Dank genauer Beobachtungen konnte herausgearbeitet werden, dass zumindest HJ1190 morphologische Merkmale zeigte, die bei Weingartien im engeren Sinn nicht zu erwarten sind. Neben der Tatsache, dass diese Pflanzen den gleichen Samen haben wie S. juckeri, zeigen sie eine so bunte Bedornung, wie sie für Sulcorebutien eher normal ist, aber bei Weingartien in dieser Form nicht vorkommt.




















Sulcorebutia trojapampensis HJ1190a - gelbdornige Form



















Sulcorebutia trojapampensis HJ1190a - braundornige Form

Weiterhin wurde festgestellt, dass es an diesem Bergzug ab einer Höhe von ca. 3100 m offensichtlich eine Linie gibt, die von der Sulcorebutia HJ1190 im Norden über mehrere Zwischenstufen zu eher nach Weingartien aussehenden Pflanzen weiter südlich führt. Neben der bunten Bedornung ist bei HJ1190 bemerkenswert, dass bei Jungpflanzen die Blüten aus Areolen im höheren Seitenbereich, teilweise sogar aus der Basis, nicht aber aus dem Scheitel entstehen. Bei größeren Pflanzen entstehen die Blüten aus der Schulter, was man ja auch von z.B. S. tiraquensis und anderen kennt.
















Sulcorebutia trojapampensis HJ1191

Bei der nur 5 km weiter südlich gefundenen Population HJ1191 ist die Vielfarbigkeit der Dornen weitgehend verloren gegangen. Diese Pflanzen sind meist ausschließlich strohfarben bedornt. Außerdem rückt die Blütenzone mehr in Richtung Scheitel. Merkwürdig ist, dass HJ1191 sowohl jahreszeitlich als auch von der Größe her, früher blüht als HJ1190. Außerdem sind die Knospen von HJ1191 durchweg dunkelrot, während sie bei HJ1190 meist grünlich, bestenfalls rötlich erscheinen. Die Samen von HJ1191 sind minimal kleiner als die ihrer nördlicheren Nachbarn, was man als Entwicklung hin zu Weingartia interpretieren könnte, aber auch sie sehen im Prinzip so aus, wie die von S. juckeri. HJ1190 und HJ1191 lassen sich problemlos miteinander bestäuben. Man erhält Samen, die nahezu 100%ig keimen und die Sämlinge haben eher das Aussehen von HJ1190, also gelbe bis braune Dornen. Offensichtlich wird das Merkmal der bunten Bedornung dominant vererbt. Über Knospen und Blüten kann derzeit nichts gesagt werden.


















Weingartia spec. nov. HJ1195 am Fundort


















Weingartia spec. nov. HJ1195 - junger Sämling mit Blüten

















Weingartia spec. nov. HJ1195 - Sämling aus Wildsamen gezogen erreicht nach Pfropfung auf Pereskiopsis und spätere Bewurzelung schon nach 2 Jahren eine stattliche Größe

7 km weiter südlich und rund 250 m höher fand Jucker schließlich Pflanzen, die man beim besten Willen nicht mehr als Sulcorebutien bezeichnen möchte. Allerdings gibt es auch keine bekannte Weingartia der man die HJ1195 zuordnen könnte. Die einzelnen Exemplare dieser Population werden sehr groß und sind am Standort so kräftig bedornt, dass die Blüten kaum eine Chance haben, das Dornengewirr zu durchdringen. Andererseits findet man Jungpflanzen oder kleine Gruppen, die schon wieder fast wie S. juckeri aussehen. Wichtigstes Merkmal ist die sehr schöne dunkelrote Blüte, die bei weniger stark bedornten Kulturexemplaren besonders zur Geltung kommt. Junge Sämlinge sind von denen von Weingartia westii kaum zu unterscheiden. Erst beim Älterwerden, entwickeln sie sich anders. Die Samen sind kleiner und schlanker als die von S. trojapampensis.
















Weingartia spec. nov. HJ1199 am Standort
















Weingartia spec. nov. HJ1199 - schon kleine Sämlinge zeigen herrliche Blüten

Nur 3,5 km südöstlich dieser Population und nur noch auf knapp 2800 m fand Jucker weitere Weingartien (HJ1199), die sich von den eben genannten etwas unterscheiden. Trotz einer gewissen Ähnlichkeit der Körperstruktur verleiht die geringere Bedornung und die meist gut sichtbare hellgrünere Epidermis diesen Pflanzen ein anderes Aussehen. Auch scheint diese Weingartia meist in großen Gruppen vorzukommen, wobei oft nicht feststellbar ist, ob es sich um eine Pflanze handelt oder um eine Ansammlung von mehr oder weniger gleich alten Exemplaren. Bemerkenswert ist, dass Jucker hier im Gegensatz zu allen anderen Populationen weder Knospen oder gar Blüten finden konnte. Lediglich ein paar Samen aus dem Vorjahr konnten aus dem Scheitel einer Pflanze geborgen werden.Heute wissen wir, dass sie orangefarben und rot bis violettrot blühen aber immer wesentlich später, als ihre nächsten Verwandten aus dieser Gegend. Jucker vermutet, dass sie am Standort evtl. erst im Januar oder Februar blüht. In Kultur setzt sie erst Blüten an, wenn alle anderen Pflanzen dieser Gruppe ihre Hauptblüte schon hinter sich haben




















Sehr große Pflanze von Weingartia spec. nov. HJ1200 auf dem Cerro Pucara

Eine weitere neue und sehr rätselhafte Weingartia fand Jucker schließlich auf dem Cerro Pucara, dem Berg, von dem auch Weingartia pucarensis (HJ1201) kommt. Während Letztere auf 2100 m, am Hange des Berges vorkommt, fand Jucker seine HJ1200 oben auf dem Plateau des Berges auf 2500 – 3200 m. Ausgewachsene Pflanzen erreichen einen Durchmesser von bis zu 20 cm und haben dann bis zu 40 in Höcker aufgelöste Rippen und erinnern im Aussehen durchaus an HJ1199.




















Eine sprossende Pflanze oder evtl. eine Gruppe von Sämlingen von HJ1200 auf dem Cerro Pucara, gleich neben dem weiter oben abgebildeten großen Exemplar

Neben den „Kolossen“ findet man allerdings auch kleine Exemplare, einzeln oder sprossend, das lässt sich meist kaum mit Sicherheit sagen, die wiederum eine große Ähnlichkeit mit S. juckeri haben. Es drängt sich durchaus der Gedanke auf, dass es sich um verschiedene Arten, ja verschiedene Gattungen handelt. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn man sieht, dass bei den kleinen Pflanzen die Blüten aus der Basis kommen, während sie bei den großen Exemplaren meist scheitelnah entstehen. Vermutlich handelt es sich aber nur um einen ausgeprägten Altersdimorphismus. Allerdings scheint es durchweg eine Veranlagung zu geben, Blüten aus älteren oder jüngeren Areolen zu bilden. Jucker berichtet, dass eine seiner größeren Pflanzen in einem Jahr alle Blüten aus basisnahen Areolen gebracht hat und im darauf folgenden Jahr ausschließlich von der Schulter  



















Jungpflanze von HJ1200 mit Knospen




















Blühende, aus Wildsamen gezogene Jungpflanze von Weingartia spec. nov. HJ1200

Mit diesem kurzen Abriss wollte ich zeigen, dass die Weingartia/Sulcorebutia–Vorkommen auf beiden Seiten des Rio Pilcomayo südlich von Icla viele Rätsel aufgeben. Stellt man sich auf den Standpunkt, dass das ohnehin ja alles nur Weingartien sind, wird die Sache zwar viel einfacher aber auch uninteressanter. Wir sind der Meinung, dass sich hier vor langer Zeit Weingartien (wahrscheinlich W. westii–Formen) und Sulcorebutien getroffen haben, sich vermischt haben und dann eigene Linien ausgebildet haben, deren Nachkommen wir heute sehen. Bei den einen dominieren eher sulcorebutioide Merkmale, während bei anderen die der Weingartien hervorstechen. In keinem Fall lässt sich auf Anhieb sagen, welcher Untergattung man die eine oder die andere Population zuordnen kann. Also doch besser: „Alles Weingartia??“………….:–))   

Ich danke Hansjörg Jucker für alle Information, Bilder, Pflanzenmaterial und schließlich für die nimmer endende Diskussion über diesen interessanten Komplex und Wolfgang Latin für seine konstruktive Kritik.