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Auf dieser Seite möchte ich Fragen die mir gestellt werden und meine Antworten dazu einem größeren Publikum zugänglich machen. Da diese Seite mit der Zeit wahrscheinlich ziemlich umfangreich werden wird, werde ich irgendwann alte Themen löschen und durch neue ersetzten.

Frage von W.B.

Ich habe von Ihnen Sämlinge von AW133 und KHM0236 erhalten. Sie bezeichnen beide Feldnummern in Ihrem Buch als S. caracarensis. Ich habe jetzt einen Artikel von Herrn de Vries gesehen, wo er bestreitet, dass diese beiden Funde S. caracarensis sein sollen.

Antwort:

Sie können getrost S. caracarensis auf dem Etikett stehen lassen, falls Sie diesen Namen darauf geschrieben haben (das ist das Problem mit Namen. Bei Feldnummern stellt sich dieses Problem in dieser Form nicht). Die Behauptung von Johan de Vries gründet sich ausschließlich auf das Vorhandensein von Mitteldornen bei einigen Exemplaren dieser Population (AW133 und KHM0236 sind identisch). Cardenas beschieb S. caracarensis ausdrücklich ohne Mitteldornen. Nun ist das aber ein rein morpholgisches Merkmal, das sehr großen äußeren Einflüssen unterworfen ist. Es kann ganz sicher nicht dazu verwendet werden, eine Art abzugrenzen. Rebutia totorensis ist auch ohne Mitteldornen beschrieben und wir wissen, dass die meisten Exemplare dieser Art sehr wohl Mitteldornen haben. Dazu kommt, dass von den 6 Pflanzen dieser Population, die in meiner Sammlung stehen, nur 3 Mitteldornen haben und das sind die ältesten die in Kultur stehen (seit 10 Jahren). Ich bin inzwischen sicher, dass z.B. die in Abb.1059 abgebildete Pflanze nie Mitteldornen entwickeln wird. Was soll also dieser radikale Standpunkt.

Frage von R.B.

ich habe jetzt erst eine Kopie der Succulenta mit den beiden Erstbeschreibungen von Johann de Vries erhalten. Ich bin etwas erstaunt warum man solche Pflanzen beschreibt, denn ich habe schon seit vielen Jahren ganz ähnlich aussehende S. crispata unter anderen Feldnummern in meinem Gewächshaus stehen.

Antwort:

zuerst einmal ganz klar: solche Pflanzen haben Sie hoher Wahrscheinlichkeit nicht in Ihrer Sammlung stehen, es sei denn Sie hätten in den letzten Jahren von Johan de Vries oder Roland Müller solches Material bekommen. Außer den beiden war noch niemand an diesen Fundorten. Andererseits muss ich zugeben, dass auch ich mir gewünscht hätte, man wäre mit diesen Neufunden sensibler umgegangen, denn es sind tatsächlich ähnliche (ich betone: "ähnliche") Formen anderer Sammler bekannt. Meiner Meinung nach wäre es sinnvoller gewesen, beide Funde als Varietäten von S. crispata zu beschreiben. Bei der unglaublichen Variabilität von Sulcorebutia und ganz speziell S. crispata sollte man nicht jede minimal abweichende Form als eigene Art beschreiben. Wir hätten dann über kurz oder lang allein in diesem Gebiet 10 oder 20 Arten, was natürlich völlig absurd ist. Man sollte allerdings klar herausstellen, es muss innerhalb von S. crispata einige neue Namen geben, denn man kann nicht einfach sagen, das sind alles nur einfache Crispatas. Dafür sind die Unterschiede zu deutlich. Wie gesagt, in meinen Augen wäre die Varietät die korrekte Rangstufe, um solche Unterschiede deutlich zu machen und nicht die Art.

Frage von U.T.

ich hätte heute einmal eine zugegeben etwas blöde Frage. Seit einigen Jahren habe ich nun Sulcos und vermehrt habe ich immer nur durch Sprosse. Dieses Jahr nun wollte ich einmal Hummel spielen und habe einige Pflanzen bestäubt. Nach der Blüte habe ich immer die vertrockneten Blütenreste abgepflückt. Mache ich dies nun auch bei den bestäubten Blüten? Oder kann ich da etwas kaputt machen und den Samen verlieren? Da dieses Jahr die Blütenpracht so riesig war und die alten Blüten untereinander regelrecht zusammen gepappt sind, habe ich Bedenken, dass sich Pilze einnisten.
Was ist besser: Blütenrest weg oder bis zur Samenernte dran lassen?

Antwort:
um ganz ehrlich zu sein, über dieses Thema habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich habe von Ausnahmen abgesehen (beim Umtopfen oder zum Fotografieren) noch nie Blütenreste entfernt. Wenn Sie aber Bedenken haben sollten, spricht auch nichts dagegen den eingetrockneten Blütenrest zu entfernen. Samen werde Sie dadurch nicht verlieren (vorausgesetzt Sie finden im August/September die Frucht wieder). Ich habe dieses Jahr auch mal wieder eine paar Samen gemacht und da bleibt daran, was nicht mehr oder weniger von selbst abfällt. Mir ist bei den Samen viel wichtiger, dass die Blüten garantiert rein bestäubt sind und Hybridisierungen ausgeschlossen werden können. Deswegen stehen bei mir zu bestäubende Pflanzen separat, immer nur eine Feldnummer, in kleinen
Glaskästen.

Reaktion von U.T.:
vielen Dank für Ihre Antwort.
Was die Vorgehensweise bei der Bestäubung angeht, da halte ich es genauso.
Doch noch einmal zu den Blütenresten:
Vor Jahren habe ich mir das Abzupfen auch gespart. Aber mir ist es schon einmal passiert, dass bei feucht-kühlem Wetter die verklebten Reste Grauschimmel angesetzt haben.
Habe ich es nicht rechtzeitig bemerkt ist der Schimmel durch die Areole eingedrungen und hat auch schon einmal die ganze Pflanze vernichtet. Das kannte ich vorher nur von Echinocereen, bei denen schneidet man die alte Blüte oberhalb des Fruchtknotens ab.
Wenn ich einmal an unzugänglichen Stellen einen alten Rest vergessen habe und ihn dann beim Einräumen ins Winterquartier entfernt habe, dann hat es oft regelrecht gestäubt.

Es macht zwar eine Heidenarbeit, aber seitdem habe ich diesen Pilz nicht mehr bemerkt. Diese Jahr habe ich schon einen halben 10 Liter-Eimer voll trockne Blüten gezupft. Wenn mich jemand besucht und fragt was ich da habe, dann sage ich immer mit einen Augenzwinkern: "Daraus mache ich köstlichen Kakteenblütentee."

Mir ging es nur darum, ob es Einfluss auf die Bildung und Reife der Samen hat.

Frage von JdB, Be

seit der Publikation von Augustin und Hentzschel in "Gymnocalycium" habe Ich folgendes vermisst:

1. Wo und wann ist definiert worden in wie fern dass DNA sich gleichen oder nicht gleichen muss? (Vergleichbar mit die feststellung des DNA einer Familie, zum beispiel Vater/Sohn oder bei gerichtliche feststellung beim Vaterschaft-Test)
 
2. Haben deutlich "sichtbare Unterschiede (und Merkmale)" noch einige Bedeutung?? 

3. Sind vergleichbare Untersuchungen durchgeführt bei die Liliengewächse wie Aloe, Haworthia und Gasteria?? Oder ist es nur begrenzt auf  Sulcorebutia und Weingartia?

Antwort:

zu 1. Hentzschel und Augustin erwähnen in ihrem Artikel die DNA-Untersuchungen von Ritz et al. an der Uni Jena. In dieser Veröffentlichung ist auch ein Stammbaum enthalten, der Rückschlüsse auf gewisse Verwandtschaften zulässt. Dabei muss betont werden, dass es sich dort nicht um den Typ der DNA-Analysen handelt, die bei Vaterschaftstests verwendet werden (AFLP, sog. Fingerprints), sondern um Sequenzierungen der Chloroplasten-DNA, die weltweit zur Untersuchung von Verwandtschaftsverhältnissen bei Pflanzen verwendet wird. Dabei werden nicht nur Pflanzen einer einzigen Gattung analysiert, sondern mehrere Gattungen und bewusst auch solche, die mit der eigentlich untersuchten Gattung wahrscheinlich gar nichts zu tun haben (sog Outgroup). Die Ergebnisse dieser DNA-Sequenzierungen werden nach bestimmten statistischen Rechenmethoden analysiert und ergeben am Ende einen Stammbaum, der ähnlich einem normalen Baum, einen Stamm und verschieden starke Äste hat. Schaut man sich nun diese Äste genau an, kann man Verwandtschaftsverhältnisse ablesen. Diese Rechenprogramme sind sogar in der Lage, Gewichtungen der Wahrscheinlichkeit der unterschiedliche Äste zu ermitteln, sodass man ablesen kann, wie wahrscheinlich eine solche Verwandtschaft ist. Natürlich ist diese Methode nicht absolut fehlerfrei, denn sowohl auf der experimentellen Seite als auch bei der Auswertung der Sequenzen können Fehler auftreten, aber durch die Erfahrung der Wissenschaftler lassen sich diese Fehler minimieren.

Um nun auf das spezifische Problem zu kommen. Bei diesen Analysen hat sich gezeigt, dass Rebutia und Aylostera/Mediolobiva überhaupt nicht näher verwandt sind. Sie finden sich auf völlig unterschiedlichen Ästen, weit voneinander entfernt. Innerhalb des Aylostera/Mediolobivia-Astes sind diese beiden Gattungen praktisch nicht zu unterscheiden. Sulcorebutia und Weingartia befinden sich auf den gleichen Hauptast wie Rebutia, aber danach ebenfalls klar getrennt. Die Wissenschafter sprechen von "Schwestergattungen". Wenn man dann weiter zu den "dünneren" Ästen vordringt, findet man, dass die einzelnen Arten von Sulcorebutia und Weingartia nicht mehr zu unterscheiden sind d.h. die Enden der Äste stellen z.B. einige Sulcorebutien dar, dann kommt eine Anzahl Weingartien und plötzlich wieder Sulcos. Man könnte sagen, die Weingartien unterscheiden sich von den Sulcos nicht stärker, als unterschiedliche Sulco- oder Weingartiaarten. Von daher gesehen, ist die Zusammenlegung berechtigt. Die Wissenschaftler in Jena sehen noch nicht einmal die Möglichkeit, die neue Gattung Weingartia in Untergattungen zu unterteilen. Diese Ansicht teile ich allerdings nicht (auch Johan de Vries nicht). Wir sind der Meinung, dass wir zu der Einteilung von Fred. H. Brandt aus den 70rt und 80er Jahre zurückkehren sollten und die neue Gattung Weingartia in 3 Untergattungen unterteilen sollten. Das ist Untergattung Weingartia für die echten (südlichen Weingartien (neumanniana fidaiana, cintiensis etc.), Untergattung Cumingia für die nördlichen Weingartien (neocummingi, westii etc.) und die Untergattung "Sulcorebutia" für die früheren Sulcorebutien. Eine Aktualisierung des Systems, wie ich es mit Johan de Vries mit den 3 (der 4. ist im Druck) Revisionsartikeln in Cactus&Co. entwickelt habe, ist in Arbeit und wird vermutlich im kommenden Frühjahr veröffentlicht.

zu 2. Genau das ist der Punkt. Die DNA-Analysen geben keine Handhabe für Unterteilungen der Gattung Weingartia, aber es gibt schöne morphologische Merkmale mit denen man das tun kann. Auch auf Artebene müssen wir auf Arealgeographie und Morphologie zurückgreifen, denn auch hier helfen uns DNA-Analysen (auch die Fingerprints) nicht wirklich weiter. Um es deutlich zu sagen: die meisten Ergebnisse sind widersprüchlich und absolut nicht nachvollziehbar.



Frage von H. P.

Habe da mal eine Frage: wie ist das im Moment geregelt mit den Gattungen.Gibt es noch Rebutia,Digitorebutia,Sulocrebutia und Aylostera ? Oder hat man da auch alles zusammen geworfen ?
Über eine Antwort würde ich mich freuen.

Antwort

Ihre Frage ist nicht so einfach zu beantworten, denn man muss dazu auf mehr als 10 Jahre Kakteen-Geschichte zurückgreifen. Ursprünglich waren die von Ihnen genannten Gattungen ja schön getrennt bzw. Aylostera und Mediolobivia wurden als Untergattungen von Rebutia angesehen. Dann kamen Hunt & Co. und seine Consensus-Gruppe die alles zu Rebutia machten und im Prinzip eigentlich fast alle südamerikanischen Kugelkakteen als Echinopsen ansahen - eine Sehweise, die mit absoluter Sicherheit von keinem Liebhaber anerkannt worden ist. Vor einigen Jahren habe ich mit einem holländischen Kakteenfreund zusammen angefangen Isoenzymanalysen machen zu lassen (das ist eine etwas indirekte DNA-Analyse). Dabei ergaben sich erste Hinweise, dass Rebutia und Sulcorebutia wahrscheinlich doch weniger verwandt sind als Hunt & Co. annahmen. Aus dieser Isoenzym-Gruppe hat sich inzwischen ein Verein entwickelt, der sich dem Studium südamerikanischer Kakteen (Studienkreis Südamerikanische Kakteen - SSK e.V. - siehe meine Homepage/Aktuelles und Links) verschrieben hat. Wir haben mit ziemlich großem, teilweise persönlichem finanziellem Aufwand an der Uni Jena DNA-Analysen machen lassen, die klar gezeigt haben, dass Aylostera und Mediolobivia eigentlich mit Rebutia überhaupt nichts zu tun haben. Beide zusammen bilden eine vollkommen eigenständige, von Rebutia deutlich getrennte Gattung. Auch Sulcorebutia/Weingartia sind  von Rebutia getrennt und kann bestenfalls als Schwestergattung von Rebutia angesehen werden. Aus diesen Analysen geht auch hervor, dass Sulcorebutia und Weingartia so nah verwandt sind, dass sie sich kaum trennen lassen, weshalb Augustin und Hentzschel kürzlich beide Gattungen vereinigt haben. Die meisten meiner Freunde halten das zwar für etwas überzogen, denn wir sind der Ansicht, dass man Sulcorebutia und Weingartia auf der Ebene der Untergattung sehr wohl getrennt halten sollte. Obwohl die DNA-Analysen dafür keinen Anhaltspunkt bieten, meinen wir, dass morphologische Merkmale genügend Unterschiede bieten. Taxonomisch stehen nun aber alle Sulcorebutien unter Weingartia. Man muss gespannt sein, ob und wie Hunt & Co auf diese Entwicklung reagieren werden.

Frage von M.H.

ich habe schon viel umhergeblättert und gesucht,nun doch die Frage an Sie. Was ist eigentlich mit Typaufsammlung und Originalmaterial richtig gemeint. Ist beides das Gleiche? Sind es Pflanzen, die aus Samen vom Typusstandort stammen ?

Antwort:

Beide Begriff bezeichnen etwas völlig Unterschiedliches. "Typaufsammlung" ist die Aufsammlung aus der der Holotyp (und eventuelle Isotypen) eines Taxons stammen. Entsprechend bezeichnet "Typstandort" den Stand- oder Fundort von dem die Typaufsammlung kommt.

Als Originalmaterial bezeichnen wir die am Standort gesammelte Pflanzen und deren vegetative Vermehrung. Auch aus Wildsamen gezogene Pflanzen verdienen diese Bezeichnung. Bei mir und bei vielen anderen Kakteenfreunden erkennen Sie das daran, dass nach der Feldnummer eine durch "/" oder "-" verbundene Klonnummer steht. Leider wurde das in der Vergangenheit selten so gehandhabt und man erkennt deswegen nicht sofort, ob man diesen Klon evtl. schon in der Sammlung stehen hat. Was aber noch viel schlimmer ist: wenn jemand Pflanzen, die aus Kultursamen vermehrt worden sind, unter einer Feldnummer weitergibt und er "unterschlägt" den Zusatz "F1" bzw "F2.....X". Derjenige täuscht dadurch den Empfänger, indem er vorgibt, es handle sich um Originalmaterial. Im ersten Fall handelt es sich um Sämlinge aus Kultursamen von Originalmaterial, im 2. Fall sind es Pflanzen der 2., 3. oder x. Generation



Frage von C.N., Niederlande

Regelmäßig wird bei den Beschreibungen von Blumenfarben bei Kakteen der Farben-Atlas von E. Biesalski (1957) gebraucht.
 Während der Suche auf dem Internet entdeckte ich bei www.beuth.de eine Veröffentlichung aus 1966 von diesem Atlas. Er kostet € 80,-. Kennen Sie diese Auflage? Was ist der wesentliche Unterschied? Sind die Farbenkarten und Nummern dieselben?
 
Antwort:
Meine Anfrage beim Hersteller ergab, dass die Ausgaben von 1957, die ich verwende und die Ausgabe 1966 identisch sind.

Frage von K.N.  
Ich beziehe die tschechische Kakteenzeitschrift Kaktusy und habe in diesem Jahr festgestellt, dass dort viel über Sulcorebutia veröffentlicht wird. Was ist von diesen Beschreibungen grundsätzlich zu halten und welche Meinung vertreten Sie zu der kürzlich beschriebenen Sulcorebutia horacekii Slaba?  

Antwort:
 
Grundsätzlich kann man niemandem verbieten Pflanzen zu beschreiben. Die Frage ist natürlich, wie viel Sachverstand hinter diesen Beschreibungen steckt. In dieser Hinsicht habe ich manchmal meine Zweifel. Grundsätzlich sollte man, was Beschreibungen in tschechischen Journalen angeht, klar unterscheiden. Das, was ein gewisser Herr Halda und seine Freunde machen, ist in meinen Augen ein Ärgernis, denn diese Herren scheinen alles, was ihnen in die Finger kommt, mit dubiosen Namen belegen zu wollen (notfalls auch zu Ehren des Hundes eines der Herren), ohne dass sie danach fragen, ob es Sinn macht oder nicht. Im Gegensatz dazu sind die Veröffentlichungen in Kaktusy zumindest gut ausgearbeitet. Ob sie auch immer systematisch und/oder taxonomisch sinnvoll sind, steht auf einem anderen Blatt. Auf der Seite „Aktuelles und Links“ finden Sie meinen Kommentar zu dem Artikel über S. frankiana von R. Slaba. Da Sie aber nun speziell nach der neuen S. horacekii fragen, kann ich nur sagen, ich halte diese Beschreibung für absolut überflüssig, denn man sieht auf den ersten Blick, dass es sich um eine Zweitbeschreibung von Rauschs Sulcorebutia unguispina handelt. Slaba selbst hat vor einigen Monaten einen ganz vernünftigen Aufsatz zu diesem Thema in Kaktusy veröffentlicht und dazu auch Bilder gebracht. Nun zeigt er nahezu dieselben Pflanzen und beschreibt sie als eigene Art. Mit etwas Aufmerksamkeit hätte er auch feststellen müssen, dass der Typstandort von Rauschs S. unguispina praktisch identisch ist mit seinem Standort der „neuen Art“. Weiterhin gibt es zwischen Aiquile und Santiago mehrere Stellen, wo solche Sulcos vorkommen (z.B. G66, G69, JD181, EH7113). Auch innerhalb vieler Populationen von S. santiaginiensis findet man immer mal wieder solche Formen. Fritz hat in KuaS 7/1999, S. 163–165 über diesen Pflanzentyp berichtet. Solche Pflanzen sind seit über 20 Jahren bekannt. Donald hatte damals den Gedanken, sie als S. purpurea var. minor zu beschreiben, nahm aber davon Abstand, nachdem erkannt hatte, dass es einfach nur Ökotypen von S. santiaginiensis sind. Ich betrachte S. horacekii als Standortform von S. santiaginiensis oder wie es vielleicht besser in das System von Herrn Slaba passt, um Formen von S. purpurea ssp. santiaginiensis. In diesem Kontext würde S. horacekii dann als Synonym zu S. purpurea var. unguispina (Rausch) Augustin & Gertel zu stellen sein.

Frage von R.S.
HS 151: Stimmt das, dass sie gültig als S. heinzii beschrieben
wurde? Und wenn ja, von wem, wann und wo veröffentlicht?

Antwort:
Diese Frage wird mir in letzter Zeit so oft gestellt, dass ich an dieser Stelle beantworten möchte.
Ja, S. heinzii ist gültig (nehme ich zumindest an) beschrieben worden. Einzelheiten dazu finden Sie auf der Seite "Gliederung" unter Punkt 4.2.1
Dort sehen Sie auch, dass Johan de Vries und ich dieses Taxon als überflüssig erachten und es als Synonym von S. tiraquensis var. totorensis ansehen (je nachdem hätte man es auch als Synonym von S. tiraquensis v. augustinii ansehen können). Den Grund dafür haben wir ausführlich im 3. Teil unserer Revision der Gattung Sulcorebutia in Cactus & Co. 11 (3): 133-159, 2007 beschrieben. Es gibt in diesem Heft auch eine Bilderreihe mit der gezeigt wird, dass es eine sehr schöne Entwicklungsreihe von S. tiraquensis v. totorensis bis hin zu S. tiraquensis v. ausgustinii gibt. Das läßt sich natürlich mit nur 6 Bildern schwer darstellen, denn innerhalb dieser Reihe gibt es eine geradezu unendliche Anzahl von Formen und Übergängen. Das was allgemein unter HS151 bekannt ist, stellt eine kleine Population innerhalb dieser Reihe dar. Die Pflanzen von dem Standort sind zwar  relativ einheitlich, es gibt sie aber auch an einer Vielzahl anderer Standorte, wo sie zusammen mit allen möglichen anderen Formen von S. tiraquensis v. totorensis vorkommen. Aus diesem Grund macht es keinen Sinn hierfür eine eigene Art zu beschreiben. Man könnte diese Sulcorebutien im Rahmen unserer Gliederung im besten Falle als Subvarietät oder besser noch als Forma akzeptieren.

Frage von R.S.
Ich habe schon öfter gehört, dass sich Sprossen von gepfropften Sulcos
generell  schlecht bewurzeln lassen. Stimmt das? Und wenn ja, woran
liegt das?

Antwort:
es stimmt nicht, dass sich Sprosse von gepfropften Sulcos schlechter bewurzeln als solche von wurzelechten Pflanzen. Würde das stimmen, wäre meine Sammlung nur halb so groß.  Allerdings ist es eine Tatsache, dass es nicht mehr gelingt, manche alten Klone zu bewurzeln, die über Jahre hinweg immer wieder durch Pfropfung vermehrt worden sind. Das gilt für so manchen Ritter- und auch Lauklon und die Probleme treten inzwischen auch bei einigen Rauschklonen auf. Woran das liegt, weiß wohl niemand genau. Vielleicht Degeneration oder irgendeine Infektion. Letzteres ist ganz sicher bei manchen Ritterpflanzen der Grund.

Frage von M.B.

Der erste Punkt betrifft die Verwendung von Bandwurmnamen. Natürlich habe ich zunächst geschluckt, als ich in Ihrem Kompendium letzter Auflage zum erstenmal z. B. von „Sulcorebutia steinbachii ssp. steinbachii v. steinbachii fa.“ gelesen habe. Jedoch habe ich mich etwa zeitgleich ein wenig in den Internationalen Code der Botanischen Nomenklatur eingelesen und seitdem geglaubt, in dem Beispiel zu Kapitel III, Abschnitt 5, Artikel 24.1 („Ex. 1. Saxifraga aizoon subf. surculosa Engl. & Irmsch. This can also be cited as Saxifraga aizoon var. aizoon subvar. brevifolia f. multicaulis subf. surculosa Engl. & Irmsch.; in this way a full classification of the subforma within the species is given.“) einen Beleg für die Richtigkeit Ihrer Angabe gefunden zu haben. Sie schreiben auf Ihrer Homepage jedoch, dass lt. Auskunft von Herrn Dr. Urs Eggli Bandwurmnamen nach dem ICBN illegitim seien. Hierfür habe ich im ICBN noch keinen Beleg gefunden. Können Sie mir hinsichtlich der Fundstelle weiterhelfen?

Antwort von Herrn Dr. Urs Eggli, Sukkulentensammlung Zürich

Vielen Dank für Ihre Anfrage. Die "Bandwurmnamen" sind nicht per se illegitim oder ungültig - es ist lediglich so, dass für die Zwecke der Nomenklatur (also Priorität, Homonymie etc.) ausschliesslich Trinomen verwendet werden. Dadurch wird z.B. verhindert, dass es eine Neukombination braucht, wenn eine Varietät in der Klassifikation von einer Unterart der Art zu einer anderen Unterart derselben Art "verschoben" wird. Selbstverständlich kann und darf für die Zwecke der Klassifikation der "Bandwurmname", d.h. mit allen dazwischenliegenden Rangstufen, verwendet werden.

Frage von JdB, Belgien
Wo finde Ich die Erstbeschreibung von Sulco. tarbucoensis ssp. patricia?
Danke

Antwort:
S.tarabucoensis ssp. patriciae B. Bates, J.J. Halda, P. Hertus et L. Horacek wurde beschrieben in Acta musei Richnovensis (Sect. natur.) 10 (2): 156-157 (2003) zusammen mit einer ganzen Serie weiterer Erstbeschreibungen diverser, großteils sehr dubioser Sulcorebutien. Ich halte das Taxon "patriciae" für durchaus berechtigt. Ich meine allerdings, dass es bei S. tarabucoensis falsch platziert ist. Ich habe mir diese Gegend vor 2 Jahren sehr gut angesehen und gefunden, dass es nur wenige Kilometer von S. patriciae entfernt mehrere Vorkommen von Sulcos gibt, die ich als S. gemmae einstufe. Auch alle möglichen Übergänge zwischen den beiden gibt es. Vorbehaltlich weiterer Studien, würde ich S. patriciae als Varietät von S. gemmae ansehen.


Frage von M.H.
bei ebay hat jemand eine sulco. inflexiseta angeboten. ich konnte bis jetzt auch im kompendium dazu nichts finden. auch der besitzer hat keine weiteren angaben dazu. er hat sie vor jahren unter diesem namen erworben. vielleicht erleichtern sie meine suche etwas und haben etwas darüber. die pflanze sieht sehr interressant aus.

Antwort:
ich weiß nicht, ob ich hier helfen kann. Wenn Sie sich den Absatz über S.inflexiseta in unserem Buch durchlesen, werden Sie feststellen, dass es sich um ein ziemlich dubioses Taxon handelt, auf gut Deutsch, niemand weiß genau was das ist. Ich habe verschiedene Inflexisetas, die auch sehr unterschiedlich aussehen. Einigermaßen authentisch ist wahrscheinlich nur Material Herkunft Prof. Diers. Allerdings weiß auch der keine Einzelheiten zu den Pflanzen, außer dass er mal von Cardenas ein paar Pflanzen mit dem Namen Inflexiseta bekommen hat.

Frage von L.B.
Ausserdem könnten Sie mir helfen u. mitteilen, welche Art der Sulcorebutien mehr Frost vertragen als andere, ich weiß dass für harte Kultur die Pflanzen trocken stehen müssen, aber vielleicht gibt es einige Sorten die mehr Frost vertragen.

Antwort:
Mit der Frostverträglichkeit von Sulcos ist das so eine Sache. In der ersten Winterhälfte ist es tatsächlich die Frage, ob es gelungen ist, die Pflanzen so früh trocken zu stellen, dass sie schon deutlich geschrumpft sind. In der zweiten Hälfte sind sie allgemein soweit geschrumpft, dass sie z.T. bis zu -10°C aushalten, aber das ist immer ein Pokerspiel. Bekommen sie mal zu früh Wasser, sind sie u.U. innerhalb von Tagen voll im Trieb und dann reichen -2°C und die Pflanze ist kaputt. Natürlich ist das von Art zu Art etwas unterschiedlich. Sie können sich da direkt an der Höhenlage der Vorkommen orientieren. Grob gesagt ist natürlich eine S.steinbachii härter als eine S.mentosa oder eine S.tarabucoensis ist härter als S.crispata, aber wie gesagt, wesentlicher ist ganz klar der Grad der Schrumpfung. Ich denke, Genaueres kann man zu diesem Thema kaum sagen und ich würde sagen, unter unseren klimatischen Bedingungen ist es kaum möglich Sulcos komplett ohne Heizung zu kultivieren. Das geht vielleicht ein paar Jahre gut, aber plötzlich kommt der Frost zu früh, wenn die Pflanze noch nicht ganz zur Ruhe gefunden hat oder der Frost kommt zurück, nachdem man den Winter schon verabschiedet hat und dann sind die Pflanzen hin.